!!!Ein See in Schweden - zwei vom RSC Krombach - 300 km - 20.000 Radler aus aller Welt!!!
Bericht über die Teilnahme von Hans Schneider und Peter Lücke an der „Vätternrundan 2010“ in Schweden.
Autor: Hans Schneider
Fotografen: Hans Schneider und Peter Lücke

Vorgeschichte
2007 hatte der Autor endlich den Mut, um sich einen Radler-Traum zu erfüllen: die Runde um den legendären See in Mittelschweden.
Auf vielen RTF´s hatte er von anderen Kumpels gehört, wie schön es dort sei und das „man“ es schaffen könne. Man musste halt nur lange genug sitzen können und in der Zeit das kurbeln nicht unterlassen. Und auch das nicht permanent, denn bei 1.400 Höhenmetern gibt es auch ein paar Kilometer, auf denen es bergab geht, logisch!
Über das Internet fand er einen Veranstalter mit Sitz in Hamburg, der alles organisierte; für einen Anfänger eine gute Sache. Es kam wie es kommen musste, die Tour 2007 war traumhaft schön und getreu dem Motto: „Wer einmal da war, der kommt wieder“ ist er seit dieser Zeit jedes Jahr dabei.

Nach seiner Rückkehr berichtete die Siegener Zeitung recht ausführlich mit Foto.

2008 machte mit Ernst Behr - einem weiteren Vereinsmitglied - den Trip mit. Auch er war begeistert und wurde 2009 zum „Wiederholungstäter“.

Ende 2009 erhielt Hans einen Anruf von einem gewissen Peter Lücke, den er bis dato nicht kannte. Peter wollte Einzelheiten über die Rundan wissen, hatte er doch den besagten Zeitungsausschnitt aufbewahrt und seit dieser Zeit ebenfalls seinen Traum entwickelt.
Man traf sich zu informellen Gesprächen, fand sich auf Anhieb sympathisch und nach einer gemeinsamen Radeltour zusammen mit dem Ernst stand schnell fest: 2010 machen wir das Ding zu dritt!

Die Anmeldungen erfolgten rechtzeitig (denn die Veranstaltung ist spätestens im Januar/Februar ausgebucht) wie immer über Exercycle im Hamburg, dessen Geschäftsführer Stephan Blanquett immer selbst mit unterwegs ist. Zwar war das Vorbereitungsprogramm infolge der Frühjahrsbedingungen nicht so optimal, dafür stimmte aber die Zuversicht.

Aber nur bis zum 29. April – da erlitt Ernst einen schweren Radunfall, den er dank Helm und Glück überlebte, an dessen Folgen er aber noch immer laboriert. Für Hans und Peter ein Schock, der noch lange nachwirkte.

Die Strecke
Die Vätternrundan (sprich wettern-ründan), also die Runde um den Vätternsee, gibt es seit 1966. Damals starteten etwa 200 „Verrückte“ in Motala, um den See an einem Stück (natürlich mit Pausen) zu umrunden. Von Jahr zu Jahr stieg die Zahl der Teilnehmer. 2010 lagen für 20.000 Starterplätze 21.300 Anmeldungen vor. Tatsächlich starteten in diesem Jahr dann aber „nur“ 17.611, von denen 16.766 auch das Ziel in Motala erreichten. Der Start erfolgte am Freitag ab 19.30 Uhr für die Veteranen (mindesten 25malige Teilnahme!). Danach wurden dann alle 2 Minuten ca. 60 Radler nach und nach „losgelassen“ (die letzten gegen 6.10 Uhr am Samstagmorgen), bis Samstag, 24.00 Uhr mussten alle im Ziel sein.

In diesem Jahr waren Teilnehmer aus 35 Ländern aller Kontinente angemeldet! Die Deutschen stellten dabei mit Abstand die größte Zahl der Ausländer. Auffällig war in diesem Jahr auch der hohe Anteil weiblicher „Rundaner“, geschätzte 25 %.

Der See selbst ist der fünftgrößte Binnensee Europas und damit größer als der Bodensee.
Motala liegt am Ostufer des Sees recht hoch im Norden. Von dort führt die Strecke im Uhrzeigersinn nach Süden, durch Vadstena, einem mittelalterliches Städtchen, über Gränna, bekannt durch seine gestreiften Zuckerstangen, die „Polkagrisar“, nach Jönköping, der Provinzhauptstadt am Südzipfel des Vättern. An der Westseite geht es dann wieder nordwärts über Hjo nach Karlsborg. Während bis dahin überwiegend weite Felder die Landschaft bestimmten, geht es im Norden der Strecke viel durch Wälder. An der Nordspitze bei Askersund geht es über eine Hochbrücke mit phantastischer Aussicht auf die Schärenwelt des Nordvättern.
Danach geht es noch etwa 40 km über Mevedi, dem ältesten Heilbrunnenkurort Skandinaviens, zurück nach Motala. So kommen dann leicht über 300 km mit etwa 1.400 Höhenmetern zusammen.





Die Reise
Peter hatte „seine“ Inge für die Reise interessiert und mit angemeldet, allerdings nicht als aktive Teilnehmerin.Am Donnerstag sollte die ganze Gruppe von Hamburg aus starten. Um nun nicht in Stress zu verfallen, starteten die Siegerländer bereits am Mittwoch. Hans hatte einen Leihwagen gemietet und mit 3 Leuten, den Rädern und dem Gepäck ging es los nach Hamburg, wo man eine Nacht in einem Hotel verbrachte. Der Nachmittag war mit Hafenbesichtigung, Michel-Besteigung und Gepäckübergabe bei Stephan ausgelastet.

Am anderen Tag (Donnerstag) fand sich die Gruppe dann bei Stephan ein. Sofort war mit allen anderen Reiseteilnehmern ein herzlicher Kontakt hergestellt. Hans kannte Brunhilde aus Osnabrück schon von 2008, die anderen waren neu dabei, was aber überhaupt kein Problem war.

Die Gesellschaft, insgesamt 11 Leute, wurde auf 2 Autos verteilt, die Räder und das Gepäck kamen in den Anhänger vom Bulli und los ging am Nachmittag die Fahrt nach Kiel, wo am Abend die große Fähre der Stena-Linie nach Göteborg ablegte. Ein opulentes Abendessen, eine ausgezeichnete Stimmung, ruhige Kabinen und eine glatte See sorgten für eine entspannte Überfahrt.

Nach der Ankunft am Morgen des Freitag ging dann die Autofahrt nach Osten über Jönköping an den Vätternsee nach Vadstena. Dort bezog man am Nachmittag in einem wunderschönen kleinen Hotel Quartier.

Doch viel Zeit blieb nicht. Man musste nämlich noch in das 14 km entfernte Motala, um sich dort die Startunterlagen (Startnummern, Transponder usw.) abzuholen. In Motala war schon „der Bär“ los. Tausende von Radlern bevölkerten die Stadt. Eine kleine Radmesse war aufgeboten. Hier gab es alles, was der Radfahrer so braucht. Die Zeit für einen Rundgang war zu kurz, denn die Vorbereitungen auf die Tour mussten beginnen.





Der Veranstalter hatte alles minutiös geplant. Ab 19.30 Uhr wurden pünktlich alle 2 Minuten etwa 60 Fahrer oder Fahrerinnen gestartet. Bevor man jedoch in das Startareal gelassen wurde, erfolgte eine akribische Kontrolle von Rad, Beleuchtung und Helm. Nach dem Countdown setzte sich ein Motorradfahrer vor die jeweilige Gruppe und geleitete die Gestarteten in mäßigem Tempo aus der Stadt.

Die meisten Teilnehmer der Reisegruppe „Hamburg“ starteten um 23.06 Uhr. Also zurück zum Hotel in Vadstena, alle Sachen geordnet und überprüft, die Trinkflaschen gefüllt und die Räder vorbereitet. Dann gegen 22.00 Uhr mit Sack und Pack per Auto wieder nach Motala, um ja rechtzeitig und gut vorbereitet am Start zu sein. Die Spannung stieg, besonders bei den Neulingen wie Peter. Zwar war das Wetter noch trocken, die Temperaturen rutschten jedoch immer tiefer (irgendwann in der Nacht waren es nur noch 5°!); lange Klamotten waren also Pflicht.





Der Start erfolgte auf die Sekunde und das Abenteuer begann. Einrollen war angesagt – nur nicht überdrehen; die Fahrt würde noch lange genug dauern. Während trotzdem die ersten„Schnellen“ losdüsten, versuchten Peter und Hans ihren Rhythmus zu finden, was auch sehr schnell gelang. Die Nacht begann und mit guter Beleuchtung am Rad war es kein Problem. der Strecke zu folgen. Vor sich hatte man immer, soweit das Auge reichte, die Rücklichter von früher gestarteten oder anderen Leuten, die einen überholt hatten und hinter sich hatte man eine Leuchtenkette - ähnlich Glühwürmchen - von Teilnehmern, die einem folgten. Ein tolles Schauspiel!

Die Strecke war so eingeteilt, dass etwa alle 35 bis 45 km ein „Depot“ kam. Hier gab es dann Getränke und auch was zu essen; ebenfalls waren Reparaturen an den Rädern möglich. Meistens verlief die Strecke nahe am See, den man dann gut sehen konnte. Viele Kilometer waren aber auch im „Hinterland“ gelegen, wo es dann zum Teil richtig bergig wurde.

Der erste Stopp war bei km 43; viele fuhren hier durch, wahrscheinlich fuhren die „auf Zeit“. Nicht so die RSCler, die sich Zeit ließen und die keinen Halt ausließen. Nach ca. 80 km, mitten in der Nacht in der Nähe von Gränna, einem sehr schönen Städtchen am See, bekannt durch seine Zuckerstangen, wurde es ungemütlich – es fing an zu regnen, und das bei der Kälte. Peter hatte leider nicht die ideale Regenjacke mit und er wurde ziemlich nass, hielt aber tapfer durch! Beim Stopp in Gränna plötzlich laute Rufe. Unter den Hunderten von Radlern wurde Hans von Freunden aus Wuppertal entdeckt. Nach der herzlichen Begrüßung fuhr man aber getrennt weiter, denn jeder war auf sein Tempo fixiert und die folgenden Kilometer, teils mit kalten, nassen Abfahrten verbunden, waren schon fordernd. Deshalb war dann der Stopp nach 110 km in Jönköping, wo wir so gegen 4.00 Uhr ankamen, eine Erholung. Die Stadt liegt an der Südspitze des Sees und von hier geht es am Westufer nach Norden. In einer großen Halle gab es für alle warmen Kartoffelbrei, Würstchen, Haferbrei (nicht immer jedermanns Geschmack), und wie an fast allen anderen Stellen auch saure Gurken, Blaubeersuppe, weiche Milchbrötchen, Bananen und Getränke.





Die Dunkelheit war danach vorüber, die Temperatur stieg leicht an, aber der Regen blieb vorerst noch. Nach der relativ langen Pause galt es wieder in Tritt und Schwung zu kommen. In der Helligkeit des neuen Tages (Samstag) wich auch die leichte Müdigkeit. Die abwechslungsreiche Landschaft und die vielen anderen Fahrer um uns herum belebten zusätzlich.

Weitere Pausen gab es dann in Fagerhult (Kilometer 140) und Hjo (Kilometer 180), wo der Veranstalter schon wieder eine üppige warme Mahlzeit (Lasagne!) bereithielt. Aber auch Kaffee, Milch oder Cornflakes konnte man bekommen. Da inzwischen über die Hälfte der Strecke geschafft war, die Kondition hielt und das Wetter sich besserte (es wurde wärmer und manchmal kam etwas die Sonne durch) stieg die Stimmung, die eigentlich nie „unten“ war, merklich an.

Noch vor dem Depot Karlsborg hatte man die 200er Marke geknackt (alle 10 km sind gelbe Tafeln aufgestellt mit der Zahl der noch zu fahrenden Strecke). Hier in Karlsborg wunderte sich der Peter doch sehr. Er wurde plötzlich angesprochen! Wer um Himmels Willen kannte ihn denn hier, so weit weg von der Heimat? Eigentlich ganz einfach: Man hatte ihn am Trikot als „Krombacher“ identifiziert und die Radsportler aus Capelle im Münsterland, die da sprachen, wollten einfach wissen, ob er allein da sei oder ob der Hans auch in der Nähe wäre! – schließlich kennt man sich. Die Welt ist halt ein Dorf!

In Hammarsundet, an der Hochbrücke bei km 260, waren fast alle Teilnehmer dann doch etwas mehr oder weniger „gekennzeichnet“. Viele nutzten die Massagezelte, die es in fast jedem Depot gab.

Für Peter und Hans gab es nur eins: Durchhalten, auch wenn die letzten Berge (in Medevi standen nochmals auf einem Stich immerhin 12% an!) „gebissen“ werden wollten.Um 14.38 Uhr war dann das Ziel erreicht und die ersehnte Medaille wurde überreicht. Inge nahm uns in Empfang. Bei einem Schnitt von exakt 25 km/h betrug die reine Fahrzeit 12 Stunden. Dazu zum Vergleich: Rennfahrergruppen umrunden den See in unter 9 Stunden – brutto!!! Der Rekord soll bei etwa 8.30 Std. liegen! Aber das war für uns nicht Sinn der Sache.





Zufrieden und eigentlich gar nicht sooo platt wurden wir zurück in das Hotel gebracht und nach einer Dusche und einem Besuch bei einem Italiener ging es sofort wieder prima. Alle (bis auf Brunhilde – leider) hatten es geschafft, sturz- und unfallfrei!

Am anderen Morgen (Sonntag), wir hatten alle sehr gut geschlafen, gab es das bekannte, umfangreiche Frühstück und spätestens da war der Akku wieder aufgeladen. Nach einem Spaziergang durch unser mittelalterliches Vadstena begann die Rückreise. Stephan wählte einen Teil der Route auf der Radstrecke nach Norden und auch die Nichtradler konnten dabei die Schönheit der Landschaft sehen, die wir mit dem Rad durchfahren hatten.





Am Abend waren wir wieder in Göteborg, wo dann eine erholsame Seereise Richtung Heimat begann (natürlich mit Schlemmer-Abendessen an Bord).





Nach der Ankunft am nächsten Morgen (Montag) in Kiel erfolgte der Transfer nach Hamburg zu Stephans Hauptquartier, wo die meisten der Teilnehmer auch ihre Autos geparkt hatten.
Wir Siegerländer holten den vorbestellten Leihwagen ab, luden unsere Räder und das „Artistengepäck“ ein und jückelten ohne Stress und Staus in das Land von Kindelsberg, Krönchen und Krombacher.

Fazit
Peter und Inge waren nach ihrer Aussage von dem Trip begeistert und Hans, der die Vätternrundan zum vierten Mal hintereinander absolvierte, war darüber sehr froh.

Für 2011 wurden schon Pläne geschmiedet. Hans möchte gern Rundan Nr. 5 absolvieren, Peter will auch noch mal hin und der Ernst, dem wünschen wir alle von Herzen, dass er dann wieder mit von der Partie ist. Und wenn dann noch die Frauen der „drei Musketiere“ mitkommen, dann erlebt Schweden im kommenden Jahr eine Invasion aus dem Siegerland!
Gesund werden, gesund sein und gesund bleiben – dann wird´s schon werden.
Ach ja, zwei Ereignisse gab es noch in diesen Tagen, doch die rangierten bei uns unter „ferner liefen“: Da spielten welche in Afrika Fußball und in Stockholm muss wohl eine Hochzeit gewesen sein – jedenfalls erzählten die Schweden davon.




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